Mitteilungen - Finanzen und Kommunalwirtschaft

StGB NRW-Mitteilung vom 14.05.2019

Stadtwerke-Umfrage zu Energiewende und Digitalisierung

Die Mehrheit der Stadtwerke, die an einer Umfrage der Zeitschrift „Der Neue Kämmerer“ teilgenommen haben, sieht die Energiewende als Chance. Sie haben ihre Geschäftsbereiche bereits stark an die Energiewende angepasst. Das größte Risiko sehen sie im Strompreisanstieg. Die regulatorischen Rahmenbedingungen bieten aus ihrer Sicht für Netzinvestitionen kaum Anreize. Die Vernetzung digitalisierter Geschäftsbereiche wird bislang zu wenig vorangetrieben.

Das „Marktforschungsinstitut Forschungswerk“ hat für 2018 im Auftrag der Zeitschrift „Der Neue Kämmerer“ 100 Entscheider aus 100 deutschen Stadtwerken zu der Entwicklung ihrer Geschäftsfelder befragt. Danach bleiben die wichtigsten Bestandsgeschäfte Wasser/Abwasser (85 %), der Vertrieb von Strom (66 %), die Wärmeerzeugung (57 %) sowie die Bewirtschaftung des Stromnetzes (54 %). Drittwichtigster Geschäftsbereich ist jedoch inzwischen die Erzeugung erneuerbarer Energien (63 %).

Ursache dieser Entwicklung dürfte sein, dass 87 % der befragten Stadtwerke unter 100 Mitarbeiter beschäftigen und gerade erneuerbare Energietechniken für diese Betriebe bei ihrer geringeren Personalausstattung eher örtlich realisierbar werden. Auf Platz 7. kommt das Thema E-Mobility (44 %). Dies ist insofern beachtlich, da es sich um neue Geschäftsfelder handelt, die sich unmittelbar aus der Energie- bzw. Verkehrswende ergeben. Klassische Tätigkeiten wie die konventionelle Stromerzeugung (14 %), der ÖPNV (10%) und die Entsorgung (6 %) liegen damit deutlich hinter diesen neuen Aufgaben.

Inzwischen erkennen 72 % der Befragten die Energiewende als Chance. Im Vorjahreszeitraum waren es lediglich 46 %. Gleichzeitig kritisiert die Branche aber das Fehlen politischer Konzepte für die Energiewende, die fehlende Akzeptanz in der breiten Öffentlichkeit für Maßnahmen zur Umsetzung sowie den Vorrang der Einspeisung der erneuerbaren Energien, welcher die aktuellen Probleme im Bereich der Erzeugung zusätzlich verschärfen würde.

Große Sorge bereitet jedoch die Steigerung der Strombezugskosten für Industrie- und Gewerbeunternehmen. Gleiches gilt für die Endverbraucherpreise. Insgesamt wird von der Branche der geplante Kohleausstieg bis 2038 als preistreibend angesehen. Dies sei für den Wirtschaftsstandort Deutschland eine große Gefahr. Dennoch geht die Branche mehrheitlich davon aus bereits bis 2035 den Kohleausstieg zu realisieren.

Kritisch äußern sich die befragten Entscheider auch bezüglich der aktuellen Netzregulierung in den Bereichen Strom und Gas. So sind lediglich 40 % der Auffassung, dass diese Investitionsanreize setze. Der überwiegende Teil, der keine Investitionsanreize sieht, hält hierfür unter anderem die regulatorischen Rahmenbedingungen als Ursache.

Als Instrumentarien der Innovation dienen den Stadtwerken insbesondere der Erfahrungsaustausch innerhalb der Branche (86 %), interne Ansätze (74 %) sowie die Unterstützung externer Berater bzw. die Kooperation mit anderen Stadtwerken (jeweils 58 %). Probleme bei der Nachwuchsfachkräftegewinnung sieht die Branche momentan mehrheitlich nicht.

Auch erkennt die überwiegende Mehrheit in ihrem Unternehmen keine für sie hinderliche Behördenmentalität. Vielmehr sehen sich 53 % der Entscheider als attraktiven Arbeitgeber. Die Themen der Digitalisierung spielen nur bedingt eine Rolle. So geben lediglich 20 % der Entscheider an, dass eine Analyse und Nutzung von Big Data, also eine Gesamtbetrachtung und -verarbeitung der Daten erfolgt. Lediglich 13 % geben an, Blockchain-Technologie einzusetzen.

Die Arbeit der Stadtwerke in Deutschland verändert sich und wird umfassender. Die Chancen der Energiewende werden erkannt und fördern den Wettbewerb unter den Kommunen. Allerdings wird die Energiewende im europäischen Wettbewerb zur Gefahr für die Wirtschaft in den Kommunen. Denn die starken Strompreisanstiege verschlechtern die Wettbewerbsfähigkeit vieler regionaler Unternehmen gegenüber ihren europäischen Mitbewerbern. Erforderlich ist im Rahmen der Förderung der erneuerbaren Energien, sich verstärkt marktwirtschaftlicher Instrumente zu bedienen und damit die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

Im Rahmen der Studie wird auf die enge Zusammenarbeit der Stadtwerke hingewiesen. Insbesondere beim Thema Digitalisierung stellt die enge Zusammenarbeit zwischen den Stadtwerken einen zweckmäßigen Weg dar. Denn die umfangreichen Anforderungen der Energiewende werden dadurch erst für viele kleine Stadtwerke beherrschbar. Dazu gehört auch, dass die Stadtwerke verstärkt auf die Hochschulen in ihrer Region zugehen und Kooperationen eingehen.

Dies dürfte die Chance für neue Ideen und Innovation deutlich erhöhen. Denkbar wäre es duale Studiengänge oder Projektstudien bei den Stadtwerken anzubieten. Derartige Kooperationen bieten auch Entwicklungschancen für neue kommunale Unternehmen. Zugleich würde ein solches Vorgehen die Chance bieten, kluge junge Köpfe kommunal zu binden und diese nicht in die Ballungszentren abwandern zu lassen. Dies könnte auch die ländlichen Räume stärken. In diesem Zusammenhang sei auf die Informationsplattform des VKU zur Gründung von Start-up-Unternehmen verwiesen. Die Studie kann eingesehen werden auf der Internetseite von „Der Neue Kämmerer“ .

Az.: 28.6.1-002/013 we

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